Labrador als Anfängerhund

„Ach, ein Labrador! Der erzieht sich doch auch von allein, oder?“

Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört und wie oft musste ich mich dabei zusammen reißen, dass ich keine patzige Antwort gebe. Warum, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Welcher Hund passt zu mir?

Laika ist unser erster Hund. Dementsprechend offen und unvoreingenommen waren wir bei der Wahl der Rasse. Wir waren uns aber von vorn herein sicher, dass es ein mittelgroßer Hund mit kurzem Fell werden sollte, der aktiv ist und gut in eine kleine Familie passt.

Den Labrador kennt man natürlich als typischen Familienhund. Er steht im Übrigen, nach der Französischen Bulldogge, derzeit auf Platz 2 der beliebtesten Hunderassen Deutschlands. Es war also nicht abwegig, dass uns diese Rasse in den Sinn kam. Wir informierten uns ausgiebig in Büchern und im Internet. „Will-to-please“, „möchte gefallen“, „verfressen“, „sportlich und aktiv“, „Anfängerhund“….waren Schlagworte, die wir lasen und jede Eigenschaft passte irgendwie sehr gut zu uns.

Wir wollten einen sportlichen und aktiven Hund, der eine enge Bindung zu seinen Menschen und Motivation an der Arbeit hat. Wir fuhren also Mitte Januar zu einem Züchter und zwei Wochen später holten wir Laika im Alter von 10 Wochen ab.

Der Anfang war alles andere als einfach. Aber das ist bei allen Welpen, unabhängig der Rasse, ganz normal. Jeder Welpe muss lernen stubenrein zu werden, seine spitzen Zähnchen im Spiel mit dem Menschen nicht zu nutzen und, dass er an Möbeln nicht knabbern darf.

Fakt ist aber, dass manche Rassen schneller lernen und Grenzen akzeptieren und weniger stur sind als andere. Dafür haben sie andere rassetypischen Eigenschaften, denen man sich vor dem Kauf einfach bewusst sein muss.

Rasseportrait des Labradors

Der Labrador ist als freundlicher Familienhund bekannt. Wahrscheinlich entscheiden sich deshalb auch immer mehr Familien für diese Rasse. Leider ist mir aber auch aufgefallen, dass sich immer weniger Hundebesitzer im Vorfeld mit der Rasse ausgiebig auseinander setzen und das endet leider sehr oft in Überforderung.

Der Labrador zeichnet sich vor Allem für seine Treue und seinen „will-to-please“ aus. Er möchte seinem Menschen gefallen und ihm Alles recht machen. Das kann ich von Laika absolut bestätigen. Sie liebt die Arbeit und je mehr ich mich über Erfolge freue, desto motivierter und freudiger ist sie.

Weiterhin wird dem Labrador auch nachgesagt, dass er unheimlich verfressen ist. Auch das kann ich bestätigen. Der Grund für den ständigen Hunger liegt im Übrigen in den Genen. Ein Gen ist so verändert, dass gewissen Botenstoffe nicht ausgeschüttet werden. Diese Botenstoffe sind normalerweise für das Sättigungsgefühl zuständig. Dementsprechend ist ein Labrador nie satt und könnte tatsächlich immer fressen. Futter ist DIE Belohnung. Im Training hat man da natürlich einen riesigen Vorteil, denn der Labrador lernt dadurch sehr schnell. Was aber auf der einen Seite ein Segen ist, ist auf der anderen Seite ein Fluch. Man muss aufpassen, dass der Hund nicht zu dick wird.

Wie gut, dass der Labrador ein sportlicher Hund ist. Gezüchtet wurde er ursprünglich für das Apportieren von geschossenem Wild oder Vögeln aus dem Wasser. Die meisten Labradore lieben Wasser und Apportieren über Alles.

Der Labrador ist und bleibt ein Jagdhund. Beim Kauf sollte man sich dessen bewusst sein. Er benötigt viel Bewegung und ausgleichende Aufgaben, die geistig und körperlich fördern wie zum Beispiel Dummytraining oder Mantrailing. Lastet man ihn nicht artgerecht aus, kann es passieren, dass er sich alternativ eine eigene Aufgabe sucht, beispielsweise das Jagen oder Verteidigen des Grundstücks.

Er ist also definitiv kein Hund, der nur auf dem Sofa liegt und sich nur mit kleinen Gassirunden zufrieden gibt. Er neigt in vielen Fällen zur Unruhe. Auch das kann ich bei Laika bestätigen. Wir mussten Ruhe mit ihr richtig üben. Wie unser Ruhetraining aussah, könnt ihr hier lesen. Weiterhin muss man aufgrund der jagdlichen Tendenzen auch viel Impulskontrolle trainieren und da die meisten Labradore alle Menschen und Hunde lieben, ist ein gutes Rückruftraining absolut notwendig. Sonst kann es passieren, dass er jeden Hund und jeden Wanderer begrüßen möchte und unerlaubt hin rennt. Ein sicherer Rückruf ist natürlich aber auch bei jeder anderen Hunderasse absolut notwendig.

Labradore können auch zu territorialem Verhalten neigen. Tatsächlich neigen braune Labradore sogar noch eher dazu, als die Gelben oder die Schwarzen. Bei Laika kann ich das ebenfalls teilweise bestätigen. Da wir in einer Wohnung wohnen, gibt es kein Grundstück, das sie verteidigen könnte. Besuchen wir aber Bekannte mit Garten und sitzen am Abend noch draußen, bellt sie doch ganz gern mal, wenn Fremde am Gartenzaun vorbei laufen. Ziehen wir also irgendwann in ein Haus mit Garten, müssen wir dieses Verhalten definitiv im Auge behalten und gegebenenfalls rechtzeitig etwas dagegen tun. Sie kann gern bei komischen Menschen oder gar Einbrechern warnen, aber nicht bei beliebigen Fremden, die vorbei laufen.

Weiterhin habe ich auch mit Laika die Erfahrung gemacht, dass sie gern testet. Sie hinterfragt Kommandos und muss einen Sinn dahinter sehen. Das habe ich auch schon von anderen Labradorbesitzern gehört. Liebevolle Konsequenz ist also definitiv notwendig.

Die meisten Labradore sind auch eher distanzlos und „trampelig“. Das trifft auf Laika definitiv zu. Sie merkt zwar, wenn es mir nicht gut geht. Aber ansonsten ist sie nicht sehr sensibel. Der Vorteil an diesem eher robusten Charakter ist, dass Fehltritte schnell verziehen werden und Labradore normalerweise nicht sehr nachtragend sind. Gerade für Ersthund-Besitzer ist das praktisch.

Gibt es DEN Anfängerhund?

Natürlich gibt es aber auch immer Ausnahmen von dem typischen Rassebild. Die typischen Eigenschaften müssen keinesfalls auf jeden Labrador zutreffen. Ich kenne Labradore, die wahnsinnig sensibel sind, andere Hunde und Menschen eher komisch finden und am Baden und Apportieren keine Freude haben.

Das ist auch der Grund, warum es für mich keine Rasse gibt, die sich als absolut „idealer Ersthund“ eignet. Jede Rasse hat zwar typische Eigenschaften, die in den Genen liegen. Aber der Charakter des Hundes ist ausschlaggebend, ob die Chemie zwischen Hund und Halter passt und mit jedem Hund wird man vor neue Herausforderungen gestellt werden, da jeder Hund individuell ist.

Hat man Begeisterung für die Rasse des Labradors und ist sich bewusst, dass man sich einen Jagdhund ins Haus holt, eignet sich der Labrador definitiv als Anfängerhund. Doch egal für welche Rasse man sich entscheidet, man muss immer Zeit und Liebe in die Erziehung investieren und den Hund artgerecht auslasten und beschäftigen. Also auch ein Labrador erzieht sich nicht „wie von allein“.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Isabella sagt:

    Ein schöner Beitrag, der auch zeigt wie vielfältig eine Rasse sein kann – und auch deutlich macht, dass nicht jeder Hund einer Rasse genau so wird, wie man es sich erwartet.
    Als wir uns für einen Hund entschieden haben war uns die Rasse eigentlich egal – und so viele Medien zur Information wie heute gab es vor dreißig Jahren auch nicht 😉 So war unser erster Hund ein Mischling aus dem Tierheim – halb Schäferhund, halb Wolfsspitz. Ich behaupte heute noch, er hat von jedem Elternteil etwas mitbekommen und viel was zu keinem passte. Daher haben wir sehr früh gelernt, dass „rassetypisch“ eben nicht bedeutet, der Hund muss sich so entwickeln.
    Noch deutlicher wurde es bei unserer ersten Hündin – mit hohem Neufundländeranteil … man sollte meinen, Wasser wäre ihr Element 😉 Aber kein anderer unserer Hund war so wasserscheu!
    Ich finde es wichtig, dass man sich auf seinen Hund als Individuum einlässt – und gemeinsam seinen Weg findet.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

    Gefällt 1 Person

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