Wie ich mit Agility unser Training kaputt gemacht habe

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In diesem Beitrag möchte ich über ein Thema aufklären, dass mir wirklich sehr am Herzen liegt, da wir selbst lang überhaupt keine Ahnung hatten, was wir Laika da eigentlich „angetan“ haben.

Es geht um das Thema Agility. Im Alter von ca. 6-10 Monaten waren wir mit Laika beim Junghunde-Agility und ich muss sagen, dass wir wirklich gut waren. Hätte ich weiter gemacht, hätten wir sicher den ein oder anderen Preis abräumen können.

Wir hatten unglaublich viel Spaß daran, Laika schien genau „ihr Ding“ gefunden zu haben und sie orientierte sich im Training wunderbar an mir. Soweit alles schön, oder? 🤔

Was ich damals nicht wusste ist, dass bei dynamischen Hundesportarten, wie Agility, eine Menge Adrenalin und Glückshormone ausgeschüttet werden. Der Hund dreht also richtig auf.

Eine tolle Auslastung würde man meinen, denn der Hund dreht ja nur in diesen 1,5 Stunden Training auf. Oder?

Genau diese Denkweise ist absolut falsch. Natürlich wird das Adrenalin während des Trainings ausgeschüttet. Bis dieses aber komplett vom Körper abgebaut wird, kann es Tage dauern. Wir sind damals teilweise zwei Mal die Woche zum Training gegangen. Dementsprechend war Laika, die ohnehin schon in der unruhigen, pubertären Phase steckte, dauerhaft „drauf“.

Während ihr Körper super müde war, tobte in ihrem Kopf eine aufregende Party. Spätestens als sie nach dem Training für 20 Minuten allein im Flur lag und mir ein 1 x 1m großes Stück Fußbodenbelag heraus riss, hätte ich stutzig werden müssen. Stattdessen habe ich es auf die Pubertät geschoben und bin weiter hin gegangen.

Erst als ich mir jegliches Ruhetraining kaputt gemacht hatte, habe ich begriffen, was das Training eigentlich mit ihr macht.

Neben diesem dauerhaft hyperaktiven Zustand, war Laika nämlich in den Wartepausen des Trainings auch noch super aufgeregt. Als sie an der Reihe war, durfte sie aber trotzdem in den Parcour. Sie hatte also auch noch gelernt, dass Aufregung wie Bellen, Buddeln,…mit einem aufregenden Agility Parcours belohnt wird.

Und da habe ich mich gewundert, warum Laika in dieser Zeit so schlecht herunter fahren konnte.

Versteht mich nicht falsch. Ich weis, dass ganz, ganz viele von euch zum Agility gehen. Und da spricht absolut nichts dagegen….wenn man einen Hund hat, der im Alltag, im Restaurant, bei Hundebegegnungen,… Ruhe halten kann und der auch in den Wartepausen beim Agility entspannt ist. Gerade für sehr ruhige Hunde, ist es eine super Beschäftigung, die auch den Kopf fördert.

Für einen jungen, pubertären und ohnehin aufgeregten Hund wie Laika war es genau das Falsche. Viele, viele Monate Ruhetraining hätte ich mir sparen können, wenn ich es nie soweit hätte kommen lassen.

Ich weis, wie es ist, wenn man für etwas brennt und an etwas gemeinsam Spaß hat. Denn genau so ging es uns. Und trotzdem war es nicht das Richtige.

Wir sind dann zeitnah auf Mantrailing umgestiegen. Dabei wird ruhig und konzentriert zusammen gearbeitet und das ist genau das, was Laika braucht.

Ich kann also wirklich nur empfehlen, wenn man einen unruhigen und aufgedrehten Hund hat UND zum Agility geht, dann einfach mal ein paar Wochen eine Pause einzulegen und einfach mal zu beobachten, ob sich etwas ändert.

Wir haben mit dem Agility schlagartig aufgehört und es hat einige Wochen gedauert, bis Laika wieder ruhiger und auch entspannter wurde. Sie war konzentrierter, kam auch draußen schneller zur Ruhe und Hundebegegnungen liefen entspannter ab.

Letztendlich muss jeder damit seine eigenen Erfahrungen machen und jeder sollte für sich ausprobieren, ob es etwas für den eigenen Hund ist oder nicht.

Mir war es aber einfach wichtig euch unsere Erfahrungen mitzuteilen, denn mir hätte so ein Erfahrungsbericht definitiv geholfen und ich hätte das Ganze schon weitaus eher abgebrochen.

Halsbandset von Sleep well – beds for pets

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. allesweib sagt:

    Der Beitrag ist schon ein paar Tage älter. Dennoch möchte ich etwas dazu sagen:

    Ich finde es gut, dass du deine Beobachtungen und Erfahrungen so offen teilst. Wir machen mit unserer Hündin auch Agility. Just for fun. Wir gehen also nicht auf Turniere. Trainieren nur einmal in der Woche auf dem Platz um ihr eine Auslastung zu bieten. Sie ist im Alltag sehr ruhig und ich finde es schön, dass es etwas gibt bei dem auch sie mal aufdrehen kann.

    Rein interessehalber gehen wir aber ab und an als Zuschauer zu Turniere die hier in der Nähe statt finden. Mir fällt dabei aber immer wieder auf, dass viele Hunde völlig abdrehen. Sie sind total überdreht, bevor es in den Parcours geht, bellen wie verrückt. Im Parcours selbst sind sie nicht konzentriert, machen oft Flüchtigkeitsfehler. Und nicht nur einmal habe ich erlebt wie sich die Spannung nach dem Parcours in aggressivem Verhalten bis hin zu (Beinahe)Beisereien entlädt.

    Wenn man einen aufgedrehten Hund hat – und das sind die Hunderassen die im Agility hauptsächlich vertreten sind oft – muss man meiner Meinung nach mindestens genausoviel Energie dazu aufbringen, dem Hund beizubringen Ruhe zu finden (ja, ich glaube das kann ein Hund lernen) wie für das Agility-Training selbst. Oder den Hund eben, wie du es getan hast, aus dem Training nehmen.

    Danke also, dass du auch diese Seite des Hundesports einmal ansprichst.

    Liebe Grüße

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    1. chocolatelabradolaika sagt:

      Ja, das hast du absolut gut auf den Punkt gebracht. Es ist tatsächlich nicht für jeden Hund das Richtige und viele vergessen, wie wichtige es ist dem Hund Ruhe zu vermitteln. Ich finde es toll, dass ihr da einen Mittelweg gefunden habt.

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  2. Petra D. sagt:

    Eine sehr interessante Sichtweise, und auch absolut richtig. Man kann wirklich nicht mit jedem Hund Agility machen, genau so wenig wie man mit jedem Hund Beutearbeut machen kann.
    Ein toller Beitrag, um nachzudenken, ob das, was man mit seinem Hund macht, auch das Richtige für den Hund ist!

    Gefällt 1 Person

    1. chocolatelabradolaika sagt:

      Ja, das hast du noch einmal toll auf den Punkt gebracht! Man sollte wirklich immer so handeln, dass es für den Hund am Besten ist

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  3. Ursula H. sagt:

    Hm, ich verstehe in diesem Beitrag auf jeden Fall die technische/körperliche Komponente. Was ich nicht verstehe ist, es gibt Junghunde-Agility? Finde ich eher nicht so prickelnd, weil gerade zwischen 9 Monaten und ca. 1,5 Jahren, ist ein Hund in der Größe von Laika noch nicht ausgewachsen, ist also super schlecht für die Gelenke. Das mal vorweg. Das ihr dann selbst auf die „Adrenalin-Sache“ drauf kommen musstet, und euch da keiner der Trainer zugeführt hat, finde ich auch eher befremdlich.
    Ich denke, wenn ihr zb erst zum Agility gekommen wärt, mit einem Hundealter von 1,5 – 2 Jahren, dann wäre es nämlich vielleicht doch was für euch gewesen. Dann hätte Laika die Pubertät hinter sich gehabt, schönes Ruhetraining verinnerlicht und wäre als gefestigte erwachsene Hündin gut vorbereitet in eine dynamische Hundesport-Sparte gestartet.
    Ich kann euch auf jeden Fall gut verstehen, dass ihr damit aufgehört hab. Ich habe selber nie Agility gemacht, aber Breitensport mit meinem Rüden, damit haben wir angefangen als er ca. 2 Jahre war und es war das grösste für ihn. Heute ist er 7,5 Jahre, hat Spondylosen und darf nicht mehr zum Breitensport, dafür haben wir jetzt tricksen und clickern für uns entdeckt. Alles Gute euch! 🙂

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    1. chocolatelabradolaika sagt:

      Hallo Ursula, vielen Dank für deinen Kommentar. Das Junghunde Agility bestand nicht aus den üblichen Agility Hindernissen. Beispielsweise gab es keinen Slalom und auch keine hohen Hürden. Der Steg und die Wand waren flach und der Hund wurde erst ohne Leine an den Geräten entlang geführt, wenn wir uns sicher waren, dass er durch die Kontaktzonen läuft und nicht vorzeitig herunter springt. Von daher war, die Gelenke betreffend, dort alles im grünen Bereich.

      Und ja, es war eben ein „Hobbyverein“. Letztendlich kannten sich dort mit Agility alle ganz prima aus. Aber eben nicht mit Hundetraining. Obwohl das ja eigentlich auch angeboten wurde. Eine gute Agility Trainerin sollte einfach auch immer die Ruhe im Blick haben. Im Nachhinein weis man sowas dann natürlich besser.

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  4. Anonymous sagt:

    Sehr interessant, mit @kokonut_of_punanga, sie ist zweieinhalb haben wir noch nicht richtig angefangen nur mal im Garten. Aber das würde das Verhalten unserer verstorbenen Sammy erklären. Danke für die Info.

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    1. chocolatelabradolaika sagt:

      Es muss natürlich nicht so kommen. Aber ich freue mich, dass ich einen Denkanstoß geben konnte 😊

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  5. puerzelchen sagt:

    Ich mache mit sehr verschiedenen Hunden Agility (bis A3) und ich finde, dass man das Training auch mit sehr wibbeligen Hunden gut aufbauen kann. Während ich mit meinem gechillten Rüden eher an einem motivierten Start arbeite, achte ich bei unserer sehr agilen Junghündin auf das Training der Impulskontrolle und vor allem erschaffe ich mir keinen „schnellen“ Hund über Jagdspiele, also eben keinen Dopamin-abhängigen Junkie. Gearbeitet wird von Beginn an nur aus einer niedrigen Erregungslage heraus und Pause bedeutet Entspannung. Das können Hunde wunderbar lernen, wenn man jeden Schritt mit Bedacht, auf den individuellen Hund abgestimmt und ohne falschen Ehrgeiz geht. Und dann stehen Themen wie Impulskontrolle, körpersprachliches Führen, der Wechsel zwischen An- und Entspannung, Konzentration und Disziplin trotz Geschwindigkeit und Spass, Zusammenarbeit und gemeinsame Freude im Vordergrund. Tatsächlich benutze ich als Hundetrainerin das Agilitytraining auch bei sehr agilen Hunden, nicht zur körperlichen Auslastung, sondern für die oben genannten Themen – und das mit Erfolg, weil Mensch und Hund gar nicht merken, was sie gerade alles lernen ;-).

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