Rasseportrait – Magyar Vizsla

Auf unserem Blog möchten wir gern aufklären. Dazu zählt auch, dass man sich vor dem Hundekauf ausreichend über Rassen und deren Ursprung informiert und Hunde nicht nur aufgrund ihres Aussehens kauft oder, weil sie gerade „im Trend“ sind. Daher habe ich eine Beitragsreihe mit Gastbeiträgen gestartet, in der ihr verschiedene Rasseportraits findet. Alle Rasseportraits findet ihr hier.

In diesem Beitrag klärt euch Christine von The Pawfect Mix über den Magyar Vizsla auf und erzählt ein bisschen aus ihrem Alltag mit ihrem Rüden Cayo.

Rasseportrait – Der Magyar Vizsla

Der Magyar Vizsla  – Ein Jagdhund als Familienhund?

Der Magyar Vizsla, ein Hund der durch seine Eleganz und seinen freundlichen Augen bei jedem Spaziergang in der Stadt für freudige Ausrufe sorgt. Dass ein Jagdhund für so viel Begeisterung sorgt, ist leider erst seit Neustem so. Immer wieder sieht man diese Rasse vermehrt als Familienhund. Aber ist er auch wirklich dafür geeignet?

Wir beleuchten mal seine Geschichte. Der Ursprung der neuerdings beliebten „Moderasse“ geht zurück ins 14. Jahrhundert. Als direkte Vorfahren des Magyar Vizslas spricht man laut schriftlichen Erwähnungen von pannonischen Spürhunden. Die semmelgelbe und rötliche Farbe der Hunde war ideal, um sich in den Steppen und Getreidefeldern in Ungarn zu tarnen. Dort dienten sie zur Jagd, wo sie sich auch mit anderen Rassen, wie dem Pannonischen Bracke, dem Sloughi, Salukis oder Azawakhs vermischt haben sollen. 1935 wurde dies durch Züchter erkannt und im FCI (Fédération Cynologique Internationale) offiziell als eigene Rasse mit 5000 Vizslas in Zuchtbüchern eingetragen und anerkannt. Leider geriet die Rasse in Vergessenheit und wurde seltener, da durch die russische Wehrmacht, die in Ungarn einmarschiert ist, viele Besitzer ihre wertvollen Hunde erschossen, damit sie nicht in die falschen Hände gerierten. Durch die Kreuzung mit dem Englischen Pointer und dem Deutschen Drahthaar wurden sie 1965 auch offiziell als die drahthaarigen Vizslas im FCI anerkannt. Der Drahthaar ist heutzutage vorwiegend in Jägerhand.

Der Magyar Vizsla gilt als ein sensibler und intelligenter Hund. Ein gut sozialisierter Vizsla sagt man, kann kinderlieb und familienfreundlich sein, muss aber auch nicht immer so sein, da er normalerweise eine andere Aufgabe innegehabt hat. Zuhause sind die lieben Jagdhunde nicht gern alleine und folgen ihrem Halter am Liebsten auf Schritt und Tritt, da sie ständig die Nähe zu diesem suchen. Eine weitere Problematik, mit der man sich dort als Hundehalter konfrontieren muss, sind die möglichen Trennungsängste des Vizslas. Durch diese ständige Nähe, die der Hund bei einem selbst sucht, möchte er sehr ungern alleine zu Hause bleiben. Nichtsdestotrotz arbeitet der temperamentvolle Jagdhund gerne und braucht eine sinnvolle Beschäftigung in seinem Alltag. Besonders glücklich ist der Vizsla, wenn er laufen kann und man ihm eine Beschäftigung bietet, die ihn fordert. Hier ist aber zu bemerken, dass der Jagdtrieb, für den der Vizsla auch bekannt ist, stark ausgeprägt ist und dementsprechend er auch bei Jägern gefördert wird. Mit einer konsequenten Erziehung kann man ihm jedoch Alternativen zur Jagd aufzeigen, um unkontrolliertes Jagen zu vermeiden. Hierzu bieten sich Beschäftigungen wie Dummyarbeit, Fährtensuche und Mantrailing an. Ein gut ausgelasteter Magyar Vizsla ist ein glücklicher und verschmuster Partner auf vier Pfoten.

Wie der Magyar Vizsla zum „Trend“ wurde

Es ist leider ärgerlich zu beobachten, dass diese Rasse als neue „Moderasse“ (Welcher Hund ist im Trend?) angesehen wird. Denn natürlich bringt er tolle Eigenschaften mit sich, aber die Arbeit, Zeit und Geduld, die man in diese tolle Rasse stecken muss, wird selten wo beschrieben. Das wirft ein falsches Bild auf den Markt und die Rasse selbst. Genauso die Bezeichnung des „Schönwetterhundes“ trifft ab und an zu. Der Vizsla ist kein Genosse von kaltem Wetter oder dem kalten Fußboden, da er ein sehr kurzes Fell und keine Unterwolle hat. Hier bietet sich die Möglichkeiten an einen Mantel zu kaufen, der den Rückenbereich zu schützen vermag, bevor dieser auskühlt. Hier liegt es in dem Ermessen des Hundehalters wie er bei diesem Thema weiter verfährt.

Das Wesen eines Vizsla ist stets freundlich und lebhaft. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die schwieriger sein können oder sogar zum Beißen oder Schnappen neigen. Aber wenn solch ein Verhalten gezeigt wird, muss man hier als Hundehalter in sich gehen, um zu sehen, wo das Problem liegen kann und sich kompetente Unterstützung bei einem Hundetrainer suchen. Durch sein freundliches und charmantes Wesen schafft der Vizsla es in kürzester Zeit, jeden um seine Pfoten zu wickeln und zu „manipulieren“. Hier muss man besonders darauf achten, konsequent in der Erziehung zu sein, ansonsten beansprucht er Bett, Sofa etc. für sich. Eine weitere Eigenschaft des Vizsla ist seine hibbelige und quirlige Art. Oft überdrehen diese und finden dann keine Ruhe. Diese Ruhe sollte vor allem im eigenen Zuhause gegeben und geübt sein. Das erfordert viel Geduld, da der Vizsla sich selbst manchmal mit seiner quirligen Art im Wege steht.

Was ein Vizsla gar nicht verträgt sind grobe Handlungen eben wegen ihrer sensiblen Art und Weise. Sensibel ist er gegenüber z.B. verschiedenen Einflüsse und Reizen von außen. Dass erfordert meist Fingerspitzengefühl, da diese Empfänglichkeit für Reize schnell zu neurotischem Verhalten führen kann. Lautes Geschrei und Geschimpfe wird einen hier nicht weiterbringen. Hier muss die Kunst der liebevollen Strenge gut gelernt sein. Das erfordert Zeit und perfektes Timing hinsichtlich der Belohnung und Korrektur. Auch, wenn man es einem Welpen noch nicht ansieht, ist der Magyar Vizsla ein anspruchsvoller Jagdhund und das sollte im Hinterkopf immer präsent sein.

Der Alltag mit einem Magyar Vizsla

Der Alltag mit einem Magyar Vizsla

Wenn man das alles beleuchtet und sich durch den Kopf gehen lässt, kann man als Halter ruhig zugeben, dass diese Rasse eine Herausforderung für das Leben bietet. Wir sehen das selbst bei unserem 6 Monate alten Welpen Cayo. Im Gegensatz zu unserem Samojeden Elyon hat Cajo Hummeln im Po. Methoden, die bei unserem Samojeden funktioniert haben, versagen hier bei Cayo. Das ist aber auch völlig in Ordnung, da jeder Hund individuell betrachtet werden muss. Was wir selbst sagen können ist, dass einen Maygar Vizsla zu halten, definitiv mehr als nur mal kurz spazieren zu gehen und ihn paar Tricks beizubringen erfordert und das sollte jedem bewusst sein. Wir haben Baustellen, an denen wir hier als Halter und Hund arbeiten müssen. Dazu zählen Ressourcenverteidigung, Leinenführigkeit, Rückruf, Anti-Jagd-Training und noch so vieles mehr, was auf uns in den nächsten Monaten und Jahren zukommen wird. Zeitmanagement, ist hier definitiv gefragt. Wer die Zeit nicht hat und sich der Aufgabe nicht bewusst ist, sollte sich hier bitte hinterfragen, ob ein Magyar Vizsla wirklich die richtige Rasse für einen selbst ist.

Weitere Beiträge zum Thema Hundetraining und Alltag findet ihr auf Christines Blog The Pawfect Mix oder bei Instagram. Auch zum Thema Mehrhundehaltung werdet ihr dort fündig, denn neben dem Magyar Vizsla Rüden Cayo lebt Christine mit dem Samojeden Rüden Elyon zusammen.

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